Ich bin traurig, aber auch glücklich

Wie der Tod eines Frischlings Kinder verändern kann

Wir sitzen gemeinsam in der Mensa und die Kinder haben alle Teller mit Schnitzel und Pommes vor sich stehen. Natürlich ist das ein Gericht, welches Kinder bevorzugen, auch wenn ihre Eltern Salat und Gemüse als wertvoller erachten. Aber die Kinder denken eben nicht nach, weder über die Vitamine noch über das, was sie nicht greifen können. Kinder nehmen eben nur das wahr, was sie auch mit eigenen Erfahrungen verknüpfen können. Für Kinder im Alter bis 11 Jahren erscheint die Klimaerwärmung, Massentierhaltung, Feinstaub und gesunde Ernährung als etwas Fernes und nicht Greifbares. Kinder leben eben im Hier und Jetzt – die Themen unserer Zeit machen ihnen zwar Angst, aber sie können sie nur schwer einordnen.

Das Schnitzel auf dem Teller ist für die Kinder nichts anderes als ein Schnitzel – paniert, mit oder ohne Ketchup, mit Pommes und vielleicht mit oder auch ohne Soße. Normalerweise.

Denn heute ist etwas anders. Heute, an diesem Mittwoch, der Abstraktes so greifbar werden lässt. An dem heutigen Mittwoch im Februar 2019, der nicht nur durch seine 22 Grad Celsius für alle Klimaschützer und unsere Ferienkinder unvergessen bleibt, haben die Kinder etwas erfahren, was Lehrbücher und Filme, Dokumentationen und Demonstrationen nicht vermitteln können.

Um zu verstehen, was heute passiert ist, muss man etwas zurückblicken.

 

Ein Rückblick

Meine Frau Myriam und ich machten vor einigen Jahren den Jagdschein. Ich selbst hatte mich bereits in meinen Philosophiestudium mit der Frage beschäftigt, ob ich für mich vertreten kann, Fleisch zu essen. Nach Beschäftigung mit der Frage, entschied ich für mich, dass ich den moralischen Konflikt nicht auflösen kann, und auf Fleischkonsum nicht verzichten möchte. Ich kam aber auch zu der Erkenntnis, dass ich mich bewusster ernähren möchte und dass ich in letzter Konsequenz auch Tiere töten können muss – zumindest theoretisch.

Den Zugang zu dem Thema gab eine Tierärztin, die so gar nicht in mein Bild der „Jägerschaft“ passen wollte. Sie vermittelte mir einen anderen Einblick zum Thema Jagd. Dabei wurde mir auch die Vielfalt des Wissens und des Tier- und Jagdschutzes deutlich. Sie verriet mir, dass sie, obwohl sie als Tierärztin Tiere gesund pflege auch Tiere von ihrem Leiden erlösen müsse. Dies würde sie als Jägerin und Tierärztin nicht nur in der Tierarztpraxis, sondern auch in Wald und Flur machen.

Für mich war an diesem Tag klar, dass mich das Thema mehr interessierte und entschloss mich einen Jagdkurs zu absolvieren. Meine Frau zog ein Jahr später nach. Im Laufe des Kurses wurde uns Wissen über die heimische Tier- und Pflanzenwelt vermittelt, welches ich als Kind der Großstadt nie gelernt hatte. Meine Eltern und Großeltern waren keine Landwirte, Jäger oder Naturmenschen. Die Natur bestand für mich als Kind nur aus Zoos, Park, Enten füttern und den Blick über die fernen Hänge des Taunus. Die Tiere Afriaks waren mir dank Fernsehen näher als Reh, Wildschwein und Fuchs.

Während der Jagdausbildung lernten Myriam und ich Dinge in der Natur zu sehen, für die wir vorher keine Augen und kein Gespür hatten. Das Erlegen eines Tieres wurde da zur gefühlten Nebensache. Aber es gehörte doch irgendwie dazu.

Nach dem Absolvieren des Jagdscheins begann nun unsere Zeit als Jäger und begeisterte Vermittler von Erfahrungen und Ansichten unserer neuen Passion. Schnell stellten wir in Diskussionen mit Bekannten, Freunden und vor allem in sozialen Medien fest, dass es viele Menschen mit sehr viel Meinung bei gleichzeitiger großer Ahnungslosigkeit gibt.

Gerade in Zeiten von Energiewende, Veganismus und Wolfbefürwortung brach sich für uns eine traurige Erkenntnis den Weg. Immer mehr Städter frönen einer neuen Naturromantik, kaufen Outdoor-Plastik-Kleidung, Bücher über Veganismus und das Leben der Bäume, teilen Berichte von Tierrechtsorganisationen und spenden für Wolfspatenschaften. Dabei kochen sie in modernen Themomixern, kaufen Würstchen aus der Massentierhaltung beim Discounter, welche sie auf dem Designergrill zubereiten und stehen mit ihren SUVs vor den Schulen ihrer Kinder im allmorgendlichen „Helikopterelternstau“. Die Kinder indes sehen Tiere nur noch als Protagonisten ihrer Zeichentrickfilme und einer romantisierten Natur.

Der Film Bambi wird so zu einer idealisierten Weltanschauung – mit all seinen inhaltlichen Fehlern, die mir erst durch den Jagdkurs bewusst wurden.

 

Viel Meinung bei absoluter Ahnungslosigkeit

In dieser Zeit suchte Myriam nach einem Weg, Wissen wieder greifbar zu machen und Kindern das Wissen über unsere heimische Natur und Tierwelt wieder näher zu bringen. Sie wollte die Grundlage dafür legen, dass Kinder nicht mehr dem Irrglauben erliegen, dass das Reh die Frau des Hirschen ist und dass Stinktier, Erdmännchen und Meerschweinchen in unseren Wäldern heimisch sind. Sie wollte einen Weg finden, bei Kindern die natürliche Neugierde für unsere heimische Natur zu wecken und gleichzeitig kurzweilige und freudige Zeit in der Natur zu verbringen.

Ein glücklicher Zufall ergab sich, als wir das Angebot von der Stadt Saarbrücken bekamen, im Wildpark Kindergeburtstage und Tierfütterungen durchzuführen. Genau hier kann man den Kindern den Spaß an der Natur näherbringen und gleichzeitig verlorengegangenes Wissen wieder aufbauen. Die Kinder und die Eltern fanden die Programme so großartig, dass wir sehr schnell in die Verlegenheit kamen, zusätzlich Ferienfreizeiten im Wildpark anzubieten. Der Besuch der Tiere, Füttern, Streicheln und Hintergründe zu den Tierarten waren von Anfang an ein festen Bestandteil der Programme.

Erstaunen ernteten wir immer dann, wenn Kinder im Laufe der Veranstaltungen erfuhren, dass die Personen, die da im Wildpark die Schönheit der Natur vermitteln, auch noch Jäger sind. Vielen Kinder schaudert es bei dem Anblick von Fleisch und toten Kaninchen oder Tauben, die als Futter für die Luchse mitgenommen werden. Viele Kinder verstehen die Zusammenhänge von Leben und Tod in der Natur nicht mehr, da sie damit keine Berührungspunkte haben.

 

Für jedes Stück Fleisch muss ein Tier sterben

Natürlich müssen unsere Ferienkinder auch etwas essen. Und so geschah es, dass eines Mittags Hähnchen-Nuggets mit Pommes für die Kinder serviert wurden. Wie üblich, sind bei dem einen oder anderen die Augen größer als der Magen es zulässt. Als die ersten Kinder fertig mit dem Essen waren, wollte einige ihre nicht gegessenen Hähnchenteile in den Müll werfen. Auf unsere Aussage, dass wir es nicht akzeptieren, dass man Fleisch wegwirft, da dafür ein Tier gestorben ist, ernteten wir bei einigen Kindern zu Beginn Unverständnis. Ein Kind konnte den Zusammenhang zwischen seinem Essen und einem Tier gar nicht mehr herstellen.

Wir erklärten die Zusammenhänge und die Kinder haben ab diesem Zeitpunkt kein Fleisch mehr weggeworfen. Im Falle, dass etwas übriggeblieben ist, wurde einfach ein noch hungriger Kamerad versorgt.

Ermutigt von den Reaktionen und dem Interesse einiger Kinder an den Hintergründen der Jagd, wollten wir einen Schritt weiter gehen. In der Kühlkammer des Wildparks, welche von Jägern des Stadtwaldes benutzt wurde, hing ein erlegtes und ausgenommenes Reh. Ich bot den Kindern an, gemeinsam mit ihnen dieses Reh zu begutachten und so die Herkunft des Fleisches auf dem Teller kennen zu lernen. Bis auf ein Kind wollten alle Kinder diesem spannenden Moment beiwohnen. Nach der ersten Verwunderung und dem Legen der Aufregung kamen bei den Kindern sehr schnell Fragen auf. Die Kinder fragen, wie das Reh erlegt wurde, wie alt es sei, warum es auf der Innenseite so glatt sei und wollten fühlen, wie sich das Fell, die Augen und die Innenseite anfühlt.  Der zu erwartende Schrecken über den Anblick eines toten Tiers wich einer handwerklichen und wissensbasierten Faszination. Hier wurde aus dem ganzen Reh plötzlich der Ausgangsstoff eines hochwertigen Lebensmittels. Das Fleisch am Mittagstisch bekam im übertragenen Sinne plötzlich eine Geschichte und ein Gesicht.

 

Frischlinge und Bachen

In der Winterferienfreizeit 2019 kamen also eine neue Gruppe von Kindern zwischen 4,5 und 11 Jahren zu uns in den Wildpark. Das Wetter war schön, die Temperaturen stiegen schon seit Tagen kontinuierlich an und eine Wildschweinbache hatte vor einigen Tagen ihre sechs Frischlinge den staunenden Besuchern präsentiert. Dabei gehen die Bachen nicht immer sanft mit ihren kleinen Geschöpfen um. Da wird gestoßen, geschuppst und auch mal ein Frischling mit einer heftigen Bewegung durch die Luft katapultiert. Dabei ist die Mutter jedoch immer darauf bedacht, ihre Jungen vor Gefahr zu schützen. Menschen oder andere Wildschweine dürfen sich nicht ungestraft den Frischlingen nähern.

Bei solch einer Aktion muss sich eines der kleinen Frischlinge wohl derart verletzt haben, dass es bereits seit Samstag das rechte Hinterbein nicht mehr belasten konnte und es steif hinter sich herzog. Die Hüfte zeigte bereits eine deutliche Schwellung, das Bein war offensichtlich gebrochen. Viele Parkbesucher teilten besorgt ihre Beobachtungen mit.

Die Tierpfleger versuchten daraufhin, das Kleine einzufangen. Sie wollten den Kleinen medizinisch versorgen lassen. Die Mutter war dabei die größte Gefahrenquelle und ließ niemanden in die Nähe des Nachwuchses. Die Kinder unserer Ferienfreizeit wurden Montag und Dienstag Zeuge mehrerer erfolglosen Versuche, das Junge mit Keschern von außerhalb des Geheges, vom sicheren Radlader aus oder beim Füttern von der Plattform zu separieren. Alle Versuche scheiterten, auch wenn sie noch so ambitioniert und unter Aufbringung aller Kreativität durchgeführt wurden. Die Kinder hatten Mitleid mit dem Frischling, welchem man die Schmerzen ansah. Sie stellten viele Fragen und interessierten sich, warum wir die Mutter nicht einfach betäuben würden. Sie erkannten aber schnell, dass die Jungen dann schutzlos den anderen Wildschweinen ausgeliefert seien.

Wir erklärten den Kindern, dass wenn die Versuche scheitern würden, nur noch die Möglichkeit bestünde, das Junge zu erschießen, um es von seinen Schmerzen zu erlösen.

 

Der Mittwoch, der vieles verändert

Für den Mittwoch hatten wir uns vorgenommen, unterschiedliche Tierpräparate zu zeigen. Wir haben dafür Wildschweinfelle, Rehfelle, Dachse, Wildschweinschädel und diverse Läufe von Wildschweinen und Rehen mitgenommen, ohne zu wissen, was der Tag für uns noch an Möglichkeiten offenhielt.

Es war nun bereits später Vormittag. Einige Kinder saßen, schnitzen und spielten im angrenzenden Wald während andere Ferienkinder mit Myriam Tiere des Wildparks besuchten.  Der Himmel war strahlend blau und für heute waren über 20 Grad Celsius angekündigt. Die Kinder freuten sich auf die Zeit im Park und alle hatten bereits morgens ihren Wunsch nach dem Mittagsmenü kundgetan. Alle Kinder wählten das Schnitzel mit Pommes, der Klassiker schlechthin – das vegetarische Gericht fand keinen einzigen Befürworter.

Während nun alle Kinder im Hier und Jetzt waren und sich ihrer Beschäftigung vollends hingaben, wurde dieser traumhafte Frühlingsvormittag plötzlich von einem lauten Knall durchbrochen. Einen Knall, der mit nichts vergleichbar war. Das metallisch explosive Geräusch zog sich durch das lange Tal des Wildparks hindurch und kehrte als Echo zurück. Das Vogelgezwitscher verstummte augenblicklich und alle Kinder wurden aus ihren Aktionen gerissen, den Blick in Richtung der Herkunft des lauten Geräusches gerichtet. Ein kurzer Moment absoluter Stille legte sich über den Wildpark. Das erste Kind durchbrach die Stille und fragte mit bebender Stimme, „dass war der Frischling, sie haben ihn eben erschossen, oder?“. Ja, es war der Moment, als alle anderen Möglichkeiten versagten und ein Förster das junge Tier schweren Herzens von seinen Leiden erlöste.

Die Kinder hatten nun nur noch einen Wunsch, so schnell wie möglich zum Ort des Geschehens zu eilen. Sie wollten sehen, ob der Frischling wirklich tot ist, wo er liegt und ob er leiden musste. Andere Parkbesucher waren auch auf dem Weg zu den Wildschweingehege und verurteilten die Aktion lautstark, ohne die ganzen Hintergründe zu kennen. Einige der Ferienkinder versuchten vergeblich die Betreuerin einer anderen Besuchergruppe über die Hintergründe aufzuklären. In ihrer Empörung war die Dame für diese Informationen leider nicht mehr aufnahmefähig.

Da die Wildschweinmutter des Frischlings versuchte, ihr Kleines wieder auf die Beine zu stellen, entstanden kurzfristig Szenen, die selbst uns emotional erschütterte. Wir schickten die anwesenden Kinder zurück in das Waldklassenzimmer.

Ein Tierpfleger kam mit dem Radlader und konnte die Mutter mit den übrigen Frischlingen für einen kurzen Moment von dem Jungen abschirmen, so dass ich im Schatten des Fahrzeugs den Kleinen aufnehmen und aus dem Gehege tragen konnte.

Ermutigt von den Erfahrungen der vergangenen Ferienfreizeiten und der Tatsache, dass die Kinder mit dem Geschoßknall kein befriedigenden Abschluss der Geschichte haben konnten, entschlossen Myriam und ich mich, den Frischling mit zu den Kindern zu nehmen.

Ein Moment, der Mut erfordert. Mut für die anstehende Unterhaltung mit den Kindern, die mit Tod in den seltensten Fällen konfrontiert wurden, aber auch Mut, wegen der möglichen Reaktionen der Eltern, die nicht so wohlwollend ausfallen können, wie wir es uns das wünschen.

 

Wie Kinder den Tod erfahren

Wir legten den kleinen Frischling auf einen Holzscheit und sehr schnell füllte sich der Raum um das Tier mit Kindern. Erstaunen, Schrecken, Neugierde, Betroffenheit – die Gefühle wechselten sich ab. Immer mehr Kinder kamen, knieten sich hin, fingen an das Fell zu berühren. Sie untersuchten das Kleine ausführlich. Sogar unsere 2,5 jährige Tochter kniete in der ersten Reihe und untersuchte das, was da vor ihr lag. Die Kinder spürten den noch warmen leblosen Körper, sahen sich den Ausschuss an und begannen Fragen zu stellen. Fragen zu der Art und Weise, wie der Frischling erlegt wurde. Sie fragten, warum Jäger eine schnelle Tötungswirkung wollen, wenn man doch sonst Leben schonen will. Sie schauten sich das Fell an, untersuchten das Mäulchen (Gebräch) des Kleinen und sie versuchten die Verletzung des Beins genau einzuordnen. Sie wollten wissen, was man da sieht, wo das Blut ist und wieso Ein- und Ausschuss anders aussehen. Auch Fragen zur Jagd, zur Tierhaltung und dem Fleisch auf dem Grill wurden gestellt. Viele der Kinder waren traurig berührt, aber sie verstanden, warum dieser Moment notwendig wurde.

Unter den bedrückenden vielfältigen Endrücken des Vormittags gingen wir dann zum Essen. Es gab die bestellten Schnitzel mit Pommes. Während des Essens diskutierten die Kinder über die Erlebnisse des Vormittags. Nach dem Essen nutzen wir die einmalige Möglichkeit, Dinge für die Kinder wirklich, erfahrbar und verknüpfbar zu machen.

Wir unterhielten uns mit den Kindern über den Frischling, der mal ein großes Wildschwein hätte werden können. Wir stellten die Verbindung zu den Hausschweinen her, die auch goldige „Frischlinge“ haben, die dort aber Ferkel heißen und meistens in Schlachtereien landen, wenn sie groß sind. Wir zeigten auf, dass das Schnitzel eben auch mal ein „süßes Baby“ war, und dass wir das Gesicht und das Tier nicht mehr sehen, wenn es paniert vor uns liegt.

 

Wenn Schnitzel wieder Gesicht und Persönlichkeit bekommen

Heute bekam das Schnitzel in der Mensa der Uni wieder ein Gesicht, Geschichte und Persönlichkeit. Keiner hätte auch nur einen Gedanken daran vergeudet, das Schnitzel wegzuwerfen. Das eine Stück, welches nicht mehr gegessen werden konnte, wurde eingepackt und mitgenommen. Heute war das Essen der Schnitzel anders, als es sich jeder am Morgen vorgestellt hatte.

Wir haben es nicht geplant, aber wir haben die Chance genutzt. An diesem sonnigen Tag in Februar 2019 haben die Kinder etwas erfahren, was keine Reportage, kein Buch und keine Klimademonstration vermitteln kann. Unter dem Eindruck von Emotionen wurden sie mit ihrem eigenen Konsum konfrontiert, erhielten ein Lehrstück , dass Tiere töten keinen Spaß macht, sondern immer auch mit dem Gefühl von Trauer verbunden ist. Sie erfuhren am eigenen Leib, dass man durchaus viele technische Fragen haben kann, wenn ein totes Tier vor einem liegt, ohne dabei emotional verkümmert zu sein,

Bei der Abholung am Nachmittag haben fast alle Kinder ihren Eltern von den Erlebnissen und Eindrücken des Tages berichtet.

Ich fragte die kleine Joelle im Beisein ihrer Mutter, wie sie den Tag erlebt habe. Sie sagte immer noch emotional bewegt: „Ich bin traurig, weil der Frischling tot ist,….“, machte eine kurze Gedankenpause und fuhr fort „…  aber ich bin glücklich darüber, dass er jetzt nicht mehr leiden muss“.

Diese Achterbahn der Gefühle, welche Joelle in einem Satz auf den Punkt brachte, erleben wir im Umgang mit unseren Haustieren, Wildparktieren und auf der Jagd täglich neu. Freude, Trauer, Leben und Tod. Es ist der Kreislauf des Lebens. Oft passiert es ohne unser Zutun, manchmal entscheiden wir uns aber auch, einzugreifen.

Wir wollen niemanden vom Fleischkonsum überzeugen oder gar für die Jagd gewinnen. Wir wollen nichts verherrlichen. Wir wollen aber auch nichts romantisieren. Wir wollen den Kindern, neben allem Spaß bei Kindergeburtstagen und Ferienfreizeiten den wertigen Umgang mit Tieren und ihrer Umwelt und den Blick für das Dahinter schärfen helfen.  Die Wahrheit ist vielfältig und manchmal auch schmerzlich.  Ohne eigene Erfahrung bleibt sie aber abstrakt.

 

Wie der Tod eines Frischlings auch Chance sein kann

Dieser Mittwoch, im Februar 2019, wird nicht nur den Kindern in Erinnerung bleiben. Er ist auch für uns ein sehr emotionaler Tag, der seine Spuren hinterlassen wird. Auch wir sind traurig über den Tod des Frischlings und wir sind froh, dass der Kleine nicht mehr leiden muss. Wir sind aber glücklich darüber, dass wir den Kindern ein besonderes Lehrstück mitgeben konnten, welches ihre Sicht der Dinge verändert und greifbar macht und den Eltern eine Möglichkeit an die Hand gibt, mit den Kindern erfahrungsbasiert über Ökologie, Tierschutz, Fleischkonsum zu diskutieren.

 

Euer Adrian und Myriam

 

Nachtrag:

Wir haben das Bein ausführlich untersucht. Die Hüfte und das Bein waren verletzt. Selbst eine Behandlung hätte wohl nicht zu einer vollen Genesung geführt. Die Entscheidung, die getroffen wurde, war auch aus medizinischer und tierschutzrechtlicher Sicht unumgänglich und die richtige Entscheidung.

Ich wurde gefragt, wie die Eltern reagierten und ob es negative Reaktionen gab. Weder die Kinder hatten negativ reagiert, noch haben wir von den Eltern kritische Äußerungen empfangen. Mit den Eltern, mit denen wir sprachen, war der Zuspruch überragend. Ob das daran liegt, dass die Eltern, die ihre Kinder in eine Wildpark-Winterferienfreizeit geben, bereits eine andere Einstellung haben oder ob die Situation so schlüssig war, dass die Kinder von der Situation nicht überrascht wurden, vermag ich nicht einzuordnen. Auf jeden Fall scheinen die Eltern unseren Weg zu teilen.

8 thoughts on “Ich bin traurig, aber auch glücklich

  1. Ulli

    Ich finde solche Aufkärungsarbeit ganz hervorragend. Respekt vor der Kreatur, Respekt vor unserem Essen muss wieder zurückkehren in unserer Zeit des Überflusses. Das ist genau der richtige Ansatz.

    1. Hoeber

      Der Respekt vor der Kreatur beginnt mit dem Kennen der Kreatur und der Zusammenhänge rund um Natur. Viele Kinder kennen die Tiere unseres Waldes nicht mehr. AN diesem Punkt setzen wir an. Der Respekt vor dem Essen kommt dann mit dem Wissen.

  2. Julian

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel.
    Sie leisten eine beispielhafte Arbeit, nicht nur für die Jägerschaft, sondern für die Allgemeinheit. Es ist sehr schade, dass die meisten Menschen nicht mehr darüber nachdenken, wo ihre Nahrung herkommt. Fleisch ist selbstverständlich in jeder Lebenslage, der Bezug zum Lebewesen ist völlig verloren gegangen.
    Durch Ihre Arbeit wird der Fokus wieder auf die Grundlagen und den Ursprung gelegt und die Nahrung, die wir täglich verzehren, zu etwas Greifbarem.
    Ich wünschte, es würde viel mehr solcher Projekte geben.

    Viele Grüße und Weidmannsheil aus Thüringen.

    Julian

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